SALONe TEHERANi. Privates und öffentliches Leben im Iran (Multimediale Performance)
Ort Staatsschauspiel Dresden - Kleines Haus 3
Termin 5./6. November 2011
Im Auftrag der
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
SALONe TEHERANi wurde gezeigt im Rahmen des
Festivals Politik im Freien Theater, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit dem
Staatsschauspiel Dresden und
HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste.
Tradition und Moderne - Öffentlichkeit und Privatsphäre im Teheraner Alltag. Das heutige Teheran ist geprägt von einer das gesamte Leben durchdringenden Tradition einerseits und einer beschleunigten Modernisierung andererseits; mit dieser Spannung einher geht eine starke Trennung von privater und öffentlicher Lebenswelt. Wie lebt man in Teheran mit dieser Ambivalenz?
Ein Salon steht für vieles, unter anderem für das private Wohnzimmer, einen Friseurladen und das halbprivate Zusammentreffen einer kulturinteressierten Gesellschaft in der Kunst und Diskussion.
Das Projekt
SALONe TEHERANi wagte als multimediale Performance mit Wort, Bild, Musik, Speis und Trank einen Blick hinter die Kulissen: Wie viel Öffentlichkeit liegt im Privaten und umgekehrt? Wie sieht der Alltag der Menschen in Teheran aus? Werden unsere Erwartungen erfüllt oder sieht es ganz anders aus, als wir es uns vorstellen – in den Köpfen und auf den Straßen? Wie reflektieren die Akteure der zeitgenössischen Kunst- und Kulturproduktion die aktuellen Geschehnisse?
Die Zuschauer befanden sich in einem iranischen Wohnzimmer. Das Bühnenbild ging dabei von einem typischen traditionellen Wohnraum in ein modernes iranisches Wohnzimmer über. Man saß auf Sofas, Kissen oder Teppichen; Bilder eines iranischen Wohnzimmers wurden an zwei Seiten als Bühnenhintergrund projiziert, Elemente, die auf den Bildern zu sehen waren, fanden sich auf der Bühne wieder.
Gespielt wurde inmitten des Publikums, welches Teil der Gesamtinszenierung wurde.
Mein Teheran - Film
Eine Collage aktueller Filme des Filmemachers Behnam Afiat Talab bildeten den roten Faden, der sich durch den gesamten Abend zog. Sie lieferte visuelle Einblicke und O-Töne unterschiedlichster Menschen und zeigte das öffentliche Leben in Teheran. Zwischengeschaltet wurde das Programm im Theaterraum:
Inszenierte Lesung
Im Buch „Briefe aus Teheran“ führt Parsua Bashi ein Interview mit ihrer 19jährigen Tochter, um herauszufinden, wo die Teheraner Jugend steht, was sie bewegt, was sie über die iranische Gesellschaft, Bildung und Beziehungen vor der Ehe denken. Das Interview wurde mit deutschen Schauspielerinnen realisiert.
Audio
Das Publikum hörte eingesprochene Texte der beiden jungen Autoren Sanaz Seyed Esfahani und Nima Dehghani, die sich mit den Beziehungen zwischen Männern und Frauen im Iran befassen. Für die Erstellung der Texte kooperierten wir mit dem Literaturdozenten Amir Mohamad Yarahmadi und seinen Studenten der Universität in Teheran.
Kleider - Performance
Auch in der Art, wie sich Frauen im Iran in der Öffentlichkeit und zu Hause kleiden, zeigt sich die starke Distinktion beider Bereiche – sind die Dresscodes doch jeweils grundsätzlich andere. Eine Schauspielerin demonstrierte und performte das jeweils zugrundeliegende Prinzip des iranischen Kleidungsstils in der öffentlichen und privaten Sphäre. Die Art und Weise, wie kleine Normabweichungen Überschreitungen der engen Grenzen des Erlaubten ermöglichen, stand dabei stellvertretend für Strategien, persönliche Freiheiten im iranischen Alltag zu ermöglichen und auszuleben.
Diskussion: „Zwischen Bewahren und Verwandeln, Fokus auf gesellschaftliche Prozesse und kulturelle Veränderungen“
Mit dem Ziel, das Interesse des Publikums am Iran zu wecken und ihnen einen direkten Dialog mit ausgewiesenen Experten zu ermöglichen, wurden Gäste aus dem Iran bzw. Iran-Experten aus Deutschland eingeladen. Sie referieren in Form von Impulsreferaten über Themen wie Tradition vs. Moderne, Bedingungen zeitgenössischer Kulturproduktion im Iran, die Diaspora und iranische Kultur außerhalb Irans und kamen anschließend miteinander und mit dem Publikum ins Gespräch.
Mit Mohsen Mirmehdi, Shiva Dolatabadabi, Behnam Afiat Talab, Amir Mohamad Yarahmadi
Speis & Trank & Alltagskultur
Das Publikum wurde während des Abends mit iranischen Spezialitäten bewirtet, Bauchläden boten währenddessen Alltagsgegenstände (Rosenwasser, Feuerzeuge etc.) an und vermittelten so ein Stück Alltagskultur – zum Mitnehmen.
Idee, Dramaturgie und Kuration: Isabel Raabe, Franziska Sauerbrey und N. Talash
Produktion: sauerbrey | raabe . büro für kulturelle angelegenheiten
Beteiligte Künstler: Parsua Bashi (Grafikerin), Nima Dehghani (Autor), Sanaz Seyed Esfahani (Autorin), Narges Hashempour (Regisseurin), Sarah Sandeh (Schauspielerin), Behnam Afiat (Filmemacher), Amir Mohamad Yarahmadi (Drehbuchautor und Produzent), Mithra Zahedi (Schauspielerin), u.a.
Diskussion: Miriam Shabafrouz
Kostüm/Bauchladen: Mehrbood Mokarram
Konzept Catering: Mehrbood Mokarram
Produktionsassistenz: Marlen Martin, Anja Vogel, Thomas Dörschel
Bühne: Birgit Krah/Oli Fuchs
Licht: Max Rothe
Bildregie/Schnitt: Aaike Stuart
Sprachaufnahmen/Musik: helix audiodesign
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