Hotel Prishtina. Das Kosovo packt aus
(English version see below)
Orte Pristina, Prizren und Berlin
Termine Juni und September 2009
Für das Projekt Hotel Prishtina kamen Künstler und Theaterschaffende aus dem Kosovo nach Berlin und checkten im HAU ein - mit Theater, Kunst und Informationen über ihr Land im Gepäck. Das Resultat: eine ungewöhnliche Szenierung der kosovarischen Kunst- und Kulturszene.
Förderer: Hauptstadtkulturfonds, Friedrich-Ebert-Stiftung, Goethe-Institut Belgrad, The ECF's mobility fund STEP beyond
Sponsor: NOMOS
Kooperationspartner: HAU, Multimedia Center/Pristina, KurzFilmAgentur Hamburg, Robert Bosch Stiftung/Stuttgart
Medienpartner: ALEX, Rrokum TV/Pristina, Koha Ditore/Pristina
Konzeption, Kuration, Dramaturgie: Isabel Raabe & Franziska Sauerbrey
Künstler: Mehmet Behluli, Sokol Beqiri, Bim Bimma, Shota Bukoshi, Samo Darian, DJ Flow, Katia Hermann, Enver Hoxhaj, Katrin Klingan, Verena Knaus, Vjollca Krasniqi, Nina Kronjäger, Branislav Krstic, Nita Luci, Besa Luhza, Dren Maliqi, Dr. Vilson Mirdita, Grete Misselwitz, Jeton Neziraj, Timon Perabo, Besnik Pula, Helge Renner, Kathrin Röggla, Valbona Shujaku, Henning Vogt
Moderation: Manfred Eichel, Thomas Krüger, Claus Christian Malzahn
Produktion: büro für kulturelle angelegenheiten
Projektassistenz: Marlen Martin
Produktionsassistenz Berlin: Joanna Gizewska, Elene Göttler
Produktionsassistenz Pristina: Valbona Shujaku
Bühne: Birgit Krah
Bühnenassistenz: Susanna Cardelli
Technische Leitung: Andreas Kröher
Lichtassistenz: Frans Katzwinkel
Presse: Julia Leiditz
Übersetzungen: Mervete Bobaj, Gent Halili, Sandra Lustig, Joachim Röhm, Anila Shuka
Dolmetscher: Gent Halili
Pressespiegel zu Hotel Prishtina
Flyer zu Hotel Prishtina
Kritik zu Hotel Prishtina
Das Projekt
Hotel Prishtina ließ seine Besucher auf eine ganz besondere Art in die kosovarische Kunst- und Kulturszene eintauchen. Folgende Projektmodule machten dies möglich:
Rezeption
Zum Service des
Hotel Prishtina gehörte es selbstverständlich, die Gäste an der Rezeption mit ausreichend Informationen zu versorgen: mit Informationen über das Land, seine politische Situation und ethnische Zusammensetzung, über seine Geschichte u.v.m. Darüber hinaus war es möglich, für ein persönliches Gespräch mit einem der Künstler und Intellektuellen aus dem Kosovo einzuchecken.
Rezeptionistinnen: Julia Leiditz, Marlen Martin
Briefe aus dem Kosovo
Die in Berlin lebende Autorin Kathrin Röggla erarbeitete gemeinsam mit ihren kosovarischen Briefpartnern eine kritische Ethnographie von einer fiktiven NGOlerin, die im Kosovo tätig gewesen war. Da gerade der hiesige Diskurs über das Kosovo häufig von einem Missions- und Krisenverwaltungsblick geprägt ist, interessierte Röggla die kosovarische Sicht auf den Alltag, auf die Riten und Mythen eines Arbeits- und Lebensmodells, das die Menschen im Kosovo tagtäglich umgibt.
Von und mit Kathrin Röggla.
Ihre Briefpartner sind: Vjollca Krasniqi (Soziologin und Philosophin, Universität Pristina) und Jeton Neziraj (Dramatiker, Regisseur, Leiter des Multimedia Center Pristina).
Gelesen von Kathrin Röggla und Leopold von Verschuer.
In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Belgrad.
Eine weitere Lesung fand am 28. September 2009 im Rahmen der Deutschen Wochen in Pristina statt.
Den kompletten Briefwechsel finden Sie auf der Website des
Goethe-Institut Belgrad. Zusätzlich soll der Briefwechsel im Jahr 2011 auch in einer deutschen und kosovarischen Zeitschrift veröffentlicht werden.
Lobby Talk
Hier erhielten die Gäste Antworten auf ihre Fragen:
Welche Rolle spielt der europäische, welche der albanische Einfluss auf die Identitätsfindung des Landes im Zuge seiner Neustaatlichkeit? Wie gestaltet sich das Leben der Frauen in einer ausnehmend patriarchalischen Gesellschaft? Wie stark ist der Wunsch, eines Tages der EU anzugehören – oder haben die Bürger genug von internationalen Schutztruppen und Institutionen im eigenen Land? Wird das Fehlen einer regen Theater- und Filmszene als Mangel empfunden, oder hält man im Gegenteil zeitgenössische Kunst in einem Land, in dem es ums nackte Überleben geht, vielmehr für überflüssig?
24. Juni: Lobby Talk I: “Kosovo – ein Jahr nach der Unabhängigkeit“
mit Enver Hoxhaj (kosovarischer Bildungsminister), Eggert Hardten (European Stability Initiative, Berlin), Dr. Vilson Mirdita (kosovarischer Botschafter in Berlin);
Moderation: Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn)
25. Juni: Lobby Talk II: „Zeitgenössische Kunst im Kosovo“
mit Mehmet Behluli (Künstler, Dozent an der Akademie für Bildende Künste der Universität Pristina), Katrin Klingan (künstlerische Leiterin des Projektes „relations", Berlin), Dren Maliqi (Künstler, Pristina);
Moderation: Manfred Eichel (Kulturjournalist, Berlin)
25. Juni: Lobby Talk III: „Zivilgesellschaft im Kosovo“
mit Branislav Krstić (Journalist, Mitrovica), Nita Luci (Anthropologin und Feministin, Pristina), Besa Luzha (Büro Pristina der Friedrich-Ebert-Stiftung) Besnik Pula (Soziologe, Pristina/New York);
Moderation: Claus Christian Malzahn (Spiegel-Online, Berlin)
Schatzi TV
Wie sehen die zahlreichen, in Deutschland lebenden Kosovaren, im Kosovo „Schatzis“ genannt, ihre Heimat? Für eine erste Annäherung ließen wir Menschen aus verschiedenen Generationen und sozialen Schichten in Videoportraits zu Wort kommen. Sie berichteten aus ihrem Alltag und wir konnten so unsere vagen Vorstellungen vom Kosovo in konkrete Bilder verwandeln.
Idee: Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey
Interviews: Grete Misselwitz (Soziologin, Berlin)
Kamera/Schnitt: Helge Renner (Filmemacher, Berlin)
Mit Vjollca Hajdari, Albona Halimi, Arben Jerlin, Hatixhe Juncker, Patriot Mazrekaj, Selmani Nebih
Koffer Kosova
Kurzfilme aus Kosova. Europas jüngster Staat trägt mindestens einen Koffer voll mit alten Wunden in die Zukunft. Mit diesen Traumata setzen sich auch junge Filmemacher der sich langsam entwickelnden Filmszene im Kosovo auseinander. Die kosovarische Filmemacherin Shota Bukoshi präsentierte eine Auswahl an Kurzfilmen, in denen junge Regisseure verschiedenste Facetten des kosovarischen Alltags thematisieren.
Kuratiert von Shota Bukoshi (Filmemacherin, Pristina/Hamburg)
Filme: "Kosova 9/11" (Regie: Burbuqe Berisha); 2003; 13 Minuten
"Tre minuta vetmi" (Regie: Visar Krusha); 2008; 22 Minuten
"Berries from Brod" (Regie: Eric Fusco); 2008; 13 Minuten
"Aureola e shthurur" (Regie: Shota Bukoshi); 2008; 15 Minuten
In Zusammenarbeit mit der KurzFilmAgentur Hamburg und der Robert Bosch Stiftung
Hip Hop Konzert
Das Kosovo ist nicht nur historisch sondern auch in demographischer Hinsicht der jüngste Staat Europas. Über zwei Drittel der kosovarischen Bevölkerung sind jünger als 30 - kein Wunder, dass Hip Hop im Kosovo so populär ist. Der kosovarische Rapper Bim Bimma, in seiner Heimat bekannt für seine außergewöhnlich gesellschaftskritischen Texte, wurde für ein Konzert ins
Hotel Prishtina eingeladen. Damit die Gäste auch im Anschluss an das Konzert noch weitertanzten, legte im Anschluss DJ FLOW aus Pristina auf.
Mit Bim Bimma und DJ FLOW (Pristina)
Sightseeing
Alle mitwirkenden Künstler und Theoretiker wurden gebeten, uns einen Ort ihrer Wahl im Kosovo und die Geschichte, die sie mit diesem Ort verbinden, vorzustellen. Ein Bild – ein kurzer Text. Kuriose Begebenheiten, persönliche Erlebnisse, geliebte und weniger geliebte Orte. Die Texte und Fotos wurden im
Hotel Prishtina in einer inszenierten Lesung mit Schauspielern präsentiert. So konnte das deutsche Publikum an einer ungewöhnlichen Sightseeing-Tour durch das Kosovo teilnehmen.
Idee und Einrichtung: Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey
Texte von Mehmet Behluli, Sokol Beqiri, Jeton Neziraj, Valbona Shujaku, Dren Maliqi, Verena Knaus, Nita Luci, Branislav Krstić u.a.
Gelesen von Nina Kronjäger und Henning Vogt
48 Stunden Kunst
Die von Mehmet Behluli geleitete alternative Kunstakademie, die am Contemporary Art Institute EXIT, Peja, angesiedelt war und von relations, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, initiiert wurde, veranstaltete Seminare und Workshops zu Themen der zeitgenössischen bildenden Kunst und Kultur. Sie stellte das notwendige Gegengewicht zur staatlichen Kunstakademie dar, die veraltete Methoden lehrte und keinerlei Bezug zur zeitgenössischen Kunstszene suchte. Dren Maliqi studierte an dieser alternativen Kunstakademie.
Im
Hotel Prishtina wurden Werke des jungen Künstlers aus Pristina gezeigt.
Künstler: Dren Maliqi
Zimmer 101/Hörstation
Die kosovarische Diaspora spielt für die Kosovaren eine zentrale Rolle – nicht nur wirtschaftlich. In Deutschland lebende Migranten erzählten ihre Lebengeschichten. In der privaten und provisorischen Atmosphäre des Hotelzimmers 101 im 1. Stock des HAU EINS fanden die Besucher ein Bett, einen Nachttisch mit Fotoalben und einen Kopfhörer mit den eingesprochenen Lebensgeschichten vor. Diese sind auf albanisch im Juni 2009 unter dem Titel "Sehnsucht im Koffer - Geschichten der Migration zwischen Kosovo und Deutschland" erschienen. Eine Veröffentlichung auf deutsch ist für 2011 in Planung.
Einrichtung: Isabel Raabe und Franziska Sauerbrey
Texte von Timon Perabo (Berlin/Pristina)
Sprecher: Manfred Callsen, Dorothea Klein
Audioproduktion: helix audiodesign
Raki Bar
Kunst hat es im Kosovo schwer - auf die exquisite kosovarische Kochkunst hingegen möchte niemand verzichten. So ist der Wandel vom Künstler zum Gastronom nicht selten, selbst wenn es sich um einen international anerkannten Künstler handelt. Im
Hotel Prishtina betreute ein solcher „Ex-Künstler“ die Raki Bar (selbstverständlich bestückt mit Raki aus dem Kosovo) und bereitete original kosovarisches Fingerfood für die Gäste zu.
Mit Sokol Beqiri (Peja)
Minibar Unlimited
Die Produkte aus der Minibar waren aus dem Kosovo, für das Kosovo oder sie passten schlicht zum Kosovo. Und alle standen zum Mitnehmen bereit. Ganz nebenbei erzählte der Waren-Getränke-Musik-Automat bei Geldeinwurf Anekdoten zum Produkt, spielte den aktuellen kosovarischen Sommerhit oder sinnierte über Neuigkeiten, Klatsch und Tratsch aus Pristina.
Idee, Konzeption, Texte: Samo Darian (Berlin), Alf Thum (Leipzig)
Recherche, Organisation: Katia Hermann (Berlin), Valbona Shujaku (Pristina)
Sprecher: Manfred Callsen, Vjollca Hajdari
Audiofiles: helix audiodesign (Berlin)
English version
Hotel Prishtina
For our project
Hotel Prishtina artists and theater professionals from Kosovo checked in at the Berlin HAU – with theater, art and information about their country in their luggage. In June 2009, they provided insights into everyday life in Kosovo and the country’s art and cultural life.
Hotel Prishtina included the following project modules:
Reception
It goes without saying that customer service was of great importance to
Hotel Prishtina. For the latter customer service was not simply about being friendly to its guests, but about providing extensive information at the reception desk. This is why hotel guests could find information about Kosovo in general, its political situation and ethnic composition, about its history and geography and the international organisations on the ground - and also about the participating artists (biographical information, lists of works, catalogues). In addition, visitors could check in for personal conversations with the artists and intellectuals from Kosovo.
Letters from Kosovo
With the aim to capture a view of Kosovo from the outside, the Berlin based author Kathrin Röggla exchanged letters with Kosovar intellectuals. This exchange was completed by Röggla’s public readings in Berlin and were subsequently continued in Pristina.
The complete letter exchange can be found on the website of the
Goethe-Institut Belgrad. In 2011, this letter exchange will also be published in both a Kosovar and German magazine.
Lobby Talk
Lobby Talk gave visitors the rare opportunity to ask questions about political facts and everyday life in Kosovo, such as:
What roles do European and Albanian influences play in the search for identity in the course of new statehood? Is the desire to belong to the EU someday the top priority – or have the citizens had enough of alliances and international institutions given their long and dominating presence in the country?
Schatzi TV
Almost no one from the Berlin audience had ever been to Kosovo, nor had anyone ever talked to one of the many Kosovar asylum-seekers living in Germany. Schatzi TV tried to make up for this lacking interaction and gave people of various generations and social strata the opportunity to exchange views, opinions and lifestyles.
Kosovars told us about their everyday lives, giving us the chance to turn our vague ideas about them and their country into more concrete images.
Grete Misselwitz, a young German sociologist, was responsible for the portraits.
Koffer Kosova
Short films from Kosova: Shota Bukoshi, a young Kosovar filmmaker curated an evening of short films from Kosovo.
Hip Hop concert
Kosovo is the youngest state in Europe not only historically speaking, but also in demographic terms. 70 percent of its population is under 30 and provides therefore a substantial audience for hip hop music. The Kosovar Rapper BimBimma was invited to give a concert at
Hotel Prishtina and DJ FLOW from Pristina made sure that the guests continued to dance long after the concert itself had finished.
Sightseeing
All participating artists and academics were invited to present a Kosovar place of their choice as well as the story they associate with this place. One image – one brief text. Curious episodes, personal experiences, places they love or dislike. Texts and photos were presented at
Hotel Prishtina in a staged reading with actors. In this way, the German public was given the opportunity to take part in an unusual sightseeing tour of Kosovo.
48 h art
In his work, Dren Maliqi examined the tensions of a world that is marked by liberalism and individualism, yet still remains in the grip of collective ideologies and world views. He promotes the creativity, power and freedom of the individual while at the same time pointing to the dangers that threaten to annihilate this freedom.
Minibar Unlimited
No hotel lobby could survive without a vending machine, and
Hotel Prishtina is just the same. This is why it had a Minibar Unlimited that emitted all sorts of things: a piece of Bill Clinton Boulevard in Pristina, a sample can of Birra Peja, or a mobile, inflatable bust of Skanderbek. Visitors could purchase these products or similar ones; they were all products from Kosovo or somehow connected to Kosovo. Thus, they constituted true artifacts and points of departure for narrations in terms of a "poetry of objects." The vending machine/drinks dispenser/jukebox told anecdotes about the product or played the current Kosovar summer hit when a customer inserted a coin. The purchased product was always wrapped in a little note, explaining what the product was, what it was used for or how Kosovars usually joke, laugh or argue about it.
« zur Übersicht